Ein Bericht über das Aufwachen

Aufwachen! - Ein Erfahrungsbericht

Rüttel, schüttel und noch mal rüttel! Aufwachen Detlef, aufwachen Ingeborg, ja, und auch du Hans! Aufwachen! Es ist viertel vor, die Welt ist nuklear, stellen wir uns der Gefahr... .
Da ist eigentlich alles drin. Alles. Und doch kann man noch unendlich viel dazu schreiben, und doch sind es immer nur Worte, die an sich und für sich keine Wahrheit ausdrücken, aber doch Wahrheit transportieren können.
Ich will euch an dieser Stelle und genau jetzt eine kleine Geschichte erzählen. Es ist eine Erfahrung und sie betrifft das Aufwachen. Rückblickend kann man sagen, dass das Aufwachen passiert, es geschieht einfach. Es ist ein Ereignis, und in dem Moment dieses Ereignisses weiß man jenseits aller Zweifel. Man weiß einfach. Man kann das niemals belegen oder beweisen, und eigentlich kann man - und das trifft alles auch für Frauen zu - es niemandem erklären oder verständlich machen. Es sei denn du, als der Mensch mir gegenüber, der Aspekt meiner Wahrnehmung, der du bist, hatte selber schon so einen Moment. Dann weiß er auch, dann hat er auch schon mal erkannt, und er weiß somit die wirkliche Wahrheit.
Nun aber zu der Geschichte, ich will sie so einfach wie möglich halten, denn eigentlich ist sie auch sehr einfach und vollkommen unspektakulär. Ich sitze auf unserer Terrasse, einige Menschen aus meiner Familie sind um mich herum, ich schaue ins Grüne, da sind Büsche, Gräser, Pflanzen und viele kleine Flugobjekte schwirren durch die Luft. Die Sonne scheint und Wolken ziehen am Himmel. Es weht ein leichter Wind. Da macht es auf einmal Bada-Bumm. Alles zieht sich in mich rein, irgendwie. Ich weiß, urplötzlich. Ich bin da, und das ist alles. Die Wahrnehmung war heftig. Ich hätte lachen und weinen können gleichzeitig, so unglaublich ist das Ganze. Alles ist unbedeutend. Alles ist nichts als wechselnde Phänomene um mich herum.
Ich werde angesprochen, spreche aus weiter Entfernung zurück. Bin ich es überhaupt der da spricht? Ich fühle mich wie weggeblasen und doch bin ich unglaublich präsent. Ich muss in mein Zimmer, weg von allen um mich herum. Ein ruhiger Platz, den brauche ich jetzt. Das sind die ersten Gedanken die wieder aufgetaucht sind und ich ziehe mich zurück. Das Phänomen verblasst, und circa eine Stunde später ist alles wie immer. Alles ist normal, und doch ist es ganz anders, ganz anders. Ich weiß seit diesem Moment jenseits aller Zweifel, dass ich bin, und das die Wahrheit nur in mir drin zu finden ist. Das da draußen ist nur ein Spiel, eine Illusion. Es ist in dir, in mir, in allen Menschen. Es ist alle und nichts, und doch nichts von beiden, denn eigentlich ist es gar nicht da. Es ist, und doch spielt es keine Rolle. Wir spielen alle Rollen, doch einige spielen sie unerbittlich, nehmen die Rollen todernst. Wir, die wir wissen, spielen auch Rollen, nehmen sie aber nicht mehr so ernst. Denn auch wenn wir es immer wieder vergessen - was keine Rolle spielt - so wissen wir doch im Grunde unseres Herzens, und können immer wieder über uns selber lachen, wenn die Illusion zu stark wird, wenn die Illusion uns mal wieder mitnimmt. Das sogenannte universelle Kino.
Was noch anzumerken ist, wenn ihr selber so ein Erlebnis habt, dann wisst auch ihr, ihr werdet es wieder vergessen, es wird sich vielleicht einiges in eurem Leben ändern, weil ihr merkt, dass das Leben, das ihr gerade lebt, so nicht mehr für euch lebbar ist. Vielleicht ändert sich auch nichts, weil es eigentlich so ist, wie es ist, und im Prinzip ist es ja in Ordnung, auch wenn wir diese Ordnung oft nicht verstehen.
Nach so einem Erlebnis ist es nicht unüblich, das man Entscheidungen immer mehr auch auf Basis seiner Gefühle, seiner Intuition trifft, nicht nur nach rationalen, verstandesmäßigen Aspekten. Man versucht die Zeichen zu sehen und die Nachrichten zu begreifen. Nichts passiert wirklich zufällig, alles hat irgendwie eine Bedeutung, auch wenn manches im Endeffekt unbedeutend ist. Doch wenn etwas die eigene Aufmerksamkeit erreicht, soll es vielleicht etwas mitteilen, auf etwas hinweisen, vielleicht natürlich auch nicht.
Abschließend will ich noch sagen, dass ich dies auch für mich selbst geschrieben habe, für mein ich, um es mal aufgeschrieben zu haben. Das hilft manchmal Dinge besser zu begreifen, man setzt sich noch mal damit auseinander, versucht es verständlicher zu machen, obwohl man natürlich weiß, dass es nie ganz zu verstehen ist. Wenn irgendwer da draußen davon profitieren kann, so freut mich das. Wenn ihr das nicht versteht, nicht glaubt, oder auch nicht begreifen könnt, so macht das nichts. Macht euch keinen Kopf. Khalil Gibran hat das in seinem Propheten ganz schön ausgedrückt, und damit will ich diesen kleinen Rüttel-Schüttel-Erfahrungsbericht beenden:

"Der Schleier, der eure Augen umwölkt, wird gehoben werden von den Händen, die ihn webten,
Und der Lehm, der eure Ohren füllt, wird durchbohrt werden von den Fingern, die ihn kneteten.
Und ihr werdet sehen.
Und ihr werdet hören.
Doch werdet ihr nicht beklagen, die Blindheit gekannt zu haben, noch bedauern, taub gewesen zu sein.
Denn an jenem Tag werdet ihr den verborgenen Sinn in allen Dingen erkennen,
Und ihr werdet die Dunkelheit preisen, wie ihr das Licht preisen würdet."
(aus "Der Prophet" von Khalil Gibran)


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