Das Phänomen Angst
Angst, kennt ihr dieses tiefe und dunkle Gefühl? Es kann manchmal übergehen in richtiggehende
Panikzustände. Es ist fast ein bisschen lächerlich, darüber zu schreiben, da ich im Moment
keine rechte Angst empfinde, und so wirkt dieses Gefühl sehr fern und unwirklich.
Doch jeder Mensch kennt das Gefühl der Angst, denke ich, zumindest ab einem gewissen Alter,
und da sind wir schon bei einem ganz entscheidenden Punkt angelangt. Ein Kleinkind hat
eigentlich keine Angst. Es hat unter Umständen Schmerzen, oder es ist ihm etwas unangenehm,
oder es fühlt sich allein gelassen und fängt dann an das lautstark kund zu tun. Aber wirklich
Angst empfindet es dabei nicht, denke ich.
Warum? Weil es sich noch nicht mit irgendetwas identifiziert hat, denn das ist meist der
Knackpunkt bei jeder Form von Angst. Wenn man tief in seine eigene Angst hineinfühlt und
erkennt, wer denn da eigentlich Angst hat, erkennt man, dass dieser jemand nichts weiter
ist als ein Gedankengebäude, das sich mit einem Körper und einer Geschichte identifiziert
hat, und nun hat diese Idee Angst, dass diese Geschichte eine Wendung nimmt, die unerwünscht
ist, beziehungsweise, dass der Körper, der von einer Idee in Besitz genommen wurde, vergehen
könnte.
Entscheidend, um mit Ängsten richtig umgehen zu können, ist eine Relativierung und eine
tiefe Erkenntnis des Phänomens Angst.
Angst ist ein Phänomen, ein Schwingungsmuster, dass kommen kann, aber auch immer wieder
geht, wenn sich niemand damit identifiziert oder daran festhängt. Oft taucht es auf in
Verbindung mit Gedankenmustern, die sich auf unangenehmen Erfahrungen in der eigenen
geschichtlichen Vergangenheit berufen. In Wirklichkeit ist es so, dass diese Vergangenheit
schon lange nicht mehr ist, sondern nur dieser Moment, und somit ist die Angst auch meist
nichts weiter als ein durchziehendes Phänomen, insofern man nicht den Fehler macht sich zu
sehr mit dieser Angst zu identifizieren, oder anders ausgedrückt, sich mit dem zu
identifizieren, dem angeblich diese Angst wiederfährt.
Das hört sich leicht an, aber das ist selbstredend meist sehr viel schwieriger in der
Praxis, alte Identifikationsmuster zu überwinden und als unwirklich zu erkennen. Sehr
hilfreich kann es sein, sich voll und ganz darauf zu konzentrieren, dass man da ist.
Denn mit genau diesem Moment kommt eigentlich immer jeder Mensch klar, und hier gibt
es im Regelfall auch keine Angst. Und gelingt das nicht, dann immer daran denken, dass
die Angst auch wieder vergeht, denn alles was kommt, geht irgendwann auch wieder, denn
so ist diese Welt beschaffen.
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