Abhandlung über die Essenz spiritueller Lehren
Wenn von der Essenz gesprochen wird geht es immer
um den Kern, oder eben um die Flamme, die das Licht ausstrahlt. Den Samen, aus dem
der Baum erwächst. Nur was ermächtigt mich als kleines Menschlein darüber zu schreiben?
Wer bin ich, dass ich mir anmaße mich darüber öffentlich in Worten zu äußern? Nun ja,
ich hatte ein schockierendes Erlebnis, eine Herausforderung,
bei der ich erkennen musste, dass mir keiner helfen kann. Niemand. Solche Erfahrungen
sind bitter, denn auf einmal steht man alleine. Man sucht nach Hilfe, macht einfach mal
eine Therapie, und irgendwie schafft man es auch wieder zu funktionieren, aber die Ursache
lässt einen nicht mehr los. Das Funktionieren alleine reicht einem
nicht mehr. Man will wissen. Kann es tatsächlich sein das es mehr gibt, kann es sein, dass es
keinen Zufall gibt, und die erfahrene "Tragödie" einen tatsächlich auf etwas aufmerksam
machen will? Das ist meist die Motivation für den Anfang eines intensiven Suchens,
für ein ehrliches Forschen, für ein offenes und bedingungsloses Suchen
nach der Wahrheit, nach dem Sinn. Ein Fragen beginnt, ein immerwährendes Fragen. Irgendwann
kommt man an den Punkt, dass man erkennt, dass es keine objektiven Antworten gibt, doch
nichtsdestotrotz erkennt man eine Essenz, ein Muster, dass sich durch alles zieht.
Und ich beziehe mich hierbei vor allem auf spirituelle Lehren. Auf das,
was diese Lehren suchenden und erwachenden Menschen mitgeben wollen. Das Lustige ist, das man diesen
Begriff "spirituelle Lehren" im Laufe der Zeit und des Wanderns auf seinem eigenen
Pfad immer weiter ausweiten muss. Die Lehren kommen auf unendlich vielen Wegen zu einem,
sei es über Lieder, Bücher, aber auch Menschen, Ereignisse, Erfahrungen. Gottes Spielfeld
unterliegt wahrlich keiner Einschränkung. Doch soll das nicht Thema dieses
kurzen Essays sein. Denn es geht hier eher um die Essenz der klassischen Hilfsmittel für
Suchende. Namentlich sind das der Sufismus, der Chassidismus, die christliche Mystik, der
Zen-Buddhismus, die Lehren der indischen Yogis, die Lehren großer und kleiner spiritueller
Lehrer, aber auch aller möglichen Buchautoren.
Wenn man genug von diesen gelesen hat, dann erkennt man mehr und mehr die Übereinstimmungen,
die sich in diesen Lehren befinden, und so kommt man immer näher an das heran, was ich als
die Essenz bezeichnen würde.
Diese Essenz zu finden ist meines Erachtens das Ziel des Spiels. Lustig ist dabei, dass man
sich mit keiner einzigen der oben genannten Lehren auseinandersetzen muss, um sie zu erkennen,
und das man eigentlich auch nicht mal ein Buch gelesen haben muss, was jetzt nicht heißen soll,
dass ich von der Buchlektüre abraten würde. Nein, ich würde sogar zu ihr raten, aber es ist
keine Bedingung, um die Essenz zu Erkennen. Laotse sagt dazu im Tao Te King, einem der wohl
ältesten Weisheitsbücher überhaupt: "Ohne aus dem Fenster
zu schauen, kann man die Wahrheit erkennen."
Vielleicht fällt euch langsam aber sicher auf, dass ich diese Essenz mit keinem Wort erwähne,
ich deute immer nur an, ich tanze um sie herum, denn das Lustigste an dieser Essenz ist,
dass sie nicht formulierbar ist. Das sie nicht kommunizierbar ist. Krishnamurti, ein
indischer Weisheitslehrer, hat dazu gesagt: "Den Berg kann man nicht ins
Tal tragen." Das trifft den Nagel ziemlich genau auf den Kopf. Jeder muss selber den Weg
hinauf auf den Berg gehen, oder eben in die Wüste. Beides sind selbstredend nur Bilder,
die auf Einsamkeit und somit auf Einzigartigkeit hindeuten. Denn jeder von uns Menschen
ist einzigartig, so wie jedes Tier übrigens auch. Nur das Tiere sich selber nicht erkennen
und bewusst wahrnehmen können, und somit auch nicht in der Lage sind, sich vom Sein
getrennt zu fühlen. Und das ist der Sündenfall des Menschen, zu dem nur der Mensch
in der Lage ist, und der eigentlich gar kein Sündenfall ist, denn diese Trennung passierte
nicht zufällig, so wie nichts zufällig passiert. Eher könnte man sagen, dass uns alles
zufällt, und doch ist es so, dass diese Trennung erkannt und wieder
aufgehoben werden muss, denn anders ist das Leiden nicht zu überwinden.
Wie dem auch sei, dass hier soll keine Anleitung sein, keine Vorgabe oder Hilfe,
eher ein Text der den bewusstseinserweiternden Prozess unterstützen möge, und somit
will ich wieder weiter ein bisschen mit den Worten und Buchstaben spielen und tanzen.
Obwohl natürlich Worte niemals die Wahrheit ausdrücken und sie eigentlich nur ein
Transportmittel sind, daher geht mit diesen Worten der Wunsch raus, sie offen
und ebenso mit dem Herzen zu lesen, wie mit dem Verstand. Fühlen und denken, die
Gefühle achten, ohne die Vernunft und den Verstand außer Acht zu lassen, denn wie
Goethe schon so weise feststellte: "Müsset im Naturbetrachten, immer eins wie alles
achten." Ach herrje, nun bin ich schon beim guten alten Johann angekommen, dem großen Seher,
seiner Zeit so weit voraus, doch für die heutige Zeit fast ein bisschen zu verstaubt.
Das Ende naht... das Ende dieses kleinen und kurzen Essays - vollgepackt mit Essenz -
ich merke es... zu sinnlos werden die Worte, denn das ganze Thema ist ganz nah an der
Sinnlosigkeit dran, an dem Punkt wo Narrheit und Weisheit sich treffen. So will ich es
gut sein lassen, und euch noch auf den Weg geben, dass es gut ist. Es ist in Ordnung,
es war immer in Ordnung und es wird immer in Ordnung sein. Wenn ihr dieses Wissen in euch
findet dann wisst ihr, dass ihr nichts wisst, und somit alles und nichts. Paradox?
Ach herrje... ja, so ist es, und so wird es immer sein, versucht man es nur mit dem
Verstand zu greifen. Ansonsten ist es, wie es ist, und in Wirklichkeit ist es so, weil
es gar nicht anders sein kann...
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