Kurzes Essay über ich, Ich und ICH

Gedanken über ich, Ich und ICH

Es war mitten in der Nacht, als ich von einem Traum erwachte und sah, meine Freunde, ein Text über ICH, Ich und ich muss entstehen. Ein Text darüber was es mit diesen diversen Ichs auf sich hat. Denn eines dieser Ichs ist in jedem Menschen. Das Ich-Sein macht uns ja eigentlich erst zu Menschen, doch ich und ICH, oder eben auch Ich ist nicht gleich, und was ebenso gesichert ist, ist die Tatsache, dass jeder Mensch nur selber Wissen kann, welches Ich gerade sein Leben bestimmt. Bei den meisten Menschen ist es so, dass das Leben vom kleinen ich bestimmt wird. Das ist das Ergebnis von langen und teils sehr schmerzhaften Erfahrungen meines Ichs.

Das kleine ich ist fest identifiziert mit der Form, mit der Erscheinung, mit der Materie. Dieses ich glaubt das es stirbt, wenn die Form, der Körper, die Hülle stirbt, es ist felsenfest davon überzeugt, dass es sonst nichts gibt, außer dieser Hülle, und sieht sich dadurch getrennt von dem was ist. Es streitet und rechtfertigt sich, immer wieder muss dieses kleine ich in den Krieg ziehen um der Umwelt zu beweisen, dass es wichtig ist. Dieses kleine ich definiert sich über Siege, über das Gewinnen, über das besser sein als andere kleine ichs. Und ja, viele kleine ichs gibt es auf der Welt, die sich dann wieder zu größeren, kleinen ichs zusammen schließen, die dann dementsprechend größere Kriege auslösen. Das kleine ich hat selten genug, es braucht immer mehr. Dem kleinen ich fällt es enorm schwer, einfach mal dazusitzen, da zu sein, zu kontemplieren, zu meditieren, im stillen Gebet zu verweilen, denn es muss immer was tun, es braucht was, um sich zu beweisen, das es wichtig ist, das es etwas wert ist. Und selbstredend hat das kleine ich eine höllische Angst vor dem Tod, und damit auch vor dem Leben. Das kleine ich lebt aus Angst, durch Angst, sichert sich permanent ab - als ob das die Katastrophe verhindern könnte - und lebt dadurch dann logischerweise nicht mehr, sondern ist eigentlich nur am Überleben.

Dann gibt es da noch das mittlere Ich. Ich würde es als den Ort der Vernunft bezeichnen. Dieses Ich hat selber gedacht, denkt selber, und versucht daher Gutes zu bewirken. Es ist höflich und nett. Es versucht das Leben zu respektieren und sucht mit allen Sinnen nach Antworten auf selbst erdachte Fragen und Probleme. Es kennt, da es selber gedacht hat, die Widersprüchlichkeit des Seins und die Verwirrung der Worte, es wirft Blicke auf die Welten in Welten und ist fasziniert, aber auch zutiefst erschreckt, von dem was vor sich geht. Dieses Ich ist eine Entwicklungsstufe, ein Zustand des Erwachens, Geist und Körper werden relativiert, vor allem der eigene Körper. Die Unendlichkeit des eigenen Denkens, lässt diese Fähigkeit auch in anderen Menschen erkennen, die das aber meist nicht tun, was aber nie eindeutig festgestellt werden kann, was die Ursache einer großen Verunsicherung beim mittleren Ich ist. Diese mittleren Ichs fühlen sich unter Umständen einsam, verlassen, verloren und sehr hilflos, weil sie erkennen, das man Leuten nicht einfach in Worten sagen kann, wozu Sie nicht bereit sind, es zu begreifen. Sie wollen nicht, sie können nicht, die kleinen ichs, denn alles nehmen sie persönlich, und sofort ziehen sie ihre Schwerter und fangen an zu kämpfen, da sie sich angegriffen fühlen, wenn man mal nicht ihrer Meinung ist. Die kleinen ichs aber müssen so handeln, um sich nicht zu verlieren, um nicht das Gerüst zu verlieren, mit dem sie sich abgefunden haben, selbst wenn es aus Lügen gebaut ist. Mittlere Ichs denken aber oft, sie müssten, um Gutes zu tun, an diesen Gerüsten rütteln, was für ein mittleres Ich in eine bedenkliche und gefährliche Situation führen kann. Die Verwirrung des mittleren Ichs ist aber immer nur ein vorübergehender Zustand, auch wenn dieser unter Umständen sehr lange andauern kann. Meist fehlt nur ein kleines Puzzlestück das dann eine Harmonie zwischen Geist, Körper und Seele herstellt. Jedoch ist die Frage, ob man dieses Puzzlestück mit dem Verstand suchend finden kann, oder ob man es am Ende der Suche, auf ganz natürliche Weise einfach erkennt, niemals ganz zu klären. Nicht rational. Der Logik nach ist es wohl so, dass man Aufgeben muss, also das immer noch latent vorhandene und nur gut und rational kontrollierte kleine ich, muss als das erkannt werden was es ist, was unter Umständen eine sehr schmerzhafte Trennungsprozedur mit sich bringt. Erst dann kann das große ICH sich anfangen zu entfalten.

Das mittlere Ich ist somit also eine Wachstumsstufe zum großen ICH. Beim großen ICH angelangt, fängt der Mensch immer mehr an auf drei Beinen zu gehen und zu stehen, und zu liegen und zu fliegen. Körper und denkender Geist, Ratio, werden immer mehr als Ruder und Segel der seefahrenden, reisenden Seele erkannt. Immer mehr wird eine Identifikation mit diesem äußerst subtilen Bestandteil angestrebt, der aus uns herausschaut, der immer da ist, ob im Traum, oder im sogenannten Wachzustand, und der mit der Idee eines kleinen ichs oder eines mittleren Ichs eigentlich nur sehr entfernt etwas zu tun hat. Ein Wechselspiel beginnt, zwischen den Außenwelten und den Innenwelten. Ein sich Hochhangeln von der Selbsterkenntnis, zur Welterkenntnis, und wieder zur Selbsterkenntnis, immer weiter, immer tiefer, immer höher. Die Unendlichkeiten werden bewusster, immer tiefere Erkenntnisse offenbaren sich, man fängt an zu leben, zu reisen, zu fließen. Das Leben und die Welt werden geheimnisvoll, wunderbar, und doch weiß man, dass das Äußere nur ein Spiegel des Inneren ist, und so sucht man immer mehr die Ruhe und die Stille, um dadurch weiter die Tiefen und Weiten nach Sinn und Sein zu erforschen. Denn nur wenn der See ruhig ist, kann man seine Tiefen schauend erahnen. Ein großes ICH ist immer bestrebt zu wachsen. Große ICHS geben Kraft und Halt, sie bieten Orientierung, und versuchen die Verwirrung zu lösen, im Großen, wie im Kleinen wirken Sie beharrlich ausdauernd und liebevoll universell, sie scheinen ohne zu glänzen, und reisen immer weiter, denn mit fortschreitender Zeit erfahren sie mehr und mehr, dass die Heimat sie erwartet und die Ewigkeit ihr Ziel ist, die in der ewig sterbenden und sich erneuernden Welt der Form nicht direkt zu finden ist.

Auf diese Ewigkeit sind wir Menschen, ob bewusst oder unbewusst alle ausgerichtet, manche streben Sie an wie ein rauschendes Wildwasser, andere Menschen verlieren sich in vielen Windungen und sind eher mit kleinen langsam plätschernden Gebirgsbächen vergleichbar, doch unabhängig davon ist es so, dass erst wenn das letzte Bedürfnis befriedigt, und der letzte Wunsch erfüllt ist, die neue Zeit anbrechen wird, von der die Sehnsucht seit Anbeginn der Tage berichtet - Es wird sein der Wendepunkt der Gezeiten.

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