Über Jonathan
Liebe Freunde, heute will ich euch die Geschichte
eines Ereignisses erzählen. Die Geschichte eines Erlebnisses, wie Jonathan es widerfuhr, und ich
erzähle sie euch, da ich denke das es etwas aufzeigen kann. Jonathan ist ein Freund, dessen
Gelassenheit und wertvollen Rat ich immer wieder zu schätzen lernte. Das er mir die Geschichte
erzählte, beruhte darauf, dass ich an jenem Abend ein längeres Gespräch über
philosophische
Tiefen mit ihm führte, und das Ereignis am Rande miterlebte.
Es war eine Party. Man - und auch Frau - könnte sagen es handelte sich um so eine Art Privat-Party.
Die meisten Menschen waren bekannt, auch wenn man sie eigentlich meist nur auf solchen Partys zu
Gesicht bekam. Nicht alle, aber viele. Es gab ein Ankleidungs-Thema für diese Party, dass sorgte
für ein bisschen Würze, obwohl viele es nicht wirklich beachtet hatten, aber das störte die
Verkleidungsbereiten nicht weiter, denn sie hatten Spaß daran in Rollen zu schlüpfen, sich
auch mal ein bisschen anders herauszuputzen, der Freude und des Vergnügens wegen.
Die Party war gelungen, die Stimmung war gut. Man konnte sich unterhalten, hatte Freude, und
ließ in kriegerischen Zeiten die eigentliche Simplizität des Lebens hochleben.
Da geschah es, das Ereignis, wie Jonathan mir erzählte. Er hatte sich gerade eine Zigarette
gedreht, als Bertram, ein ihm aus alten Zeiten bekannter Künstler, seinen Tabak, seine Filter
und seine Papers an sich nahm, mit der Behauptung, es wären seine eigenen. Jonathan war
überrascht, hielt es erst für einen Scherz, doch Bertram bestand darauf, dass es sein
eigener Tabak war. Er hatte ihn sich jetzt nur zurückgeholt. Jonathan war übertölpelt,
überrumpelt, wusste sich aber als rechtmäßiger Eigentümer des gerade auf dem
Tresen abgelegten Tabaks. Jonathan versicherte mir - und ich glaube ihm das auch - dass es einfach
sein Tabak war. Er hatte ihn auf die Party mitgebracht, hatte ihn zum drehen der Zigarette
auf dem Tisch abgelegt, und wollte ihn eben wieder einstecken, als Bertram besitzt von ihm
ergriff.
Doch Bertram spielte an dem Abend wohl in seinem eigenen Film. Er bestand darauf, dass es
sein Tabak war. Auf freundliches Nachfragen gab er ihn nicht raus. Auf nachhaltiges Fordern
auch nicht. Jonathan blieb beharrlich. Es war sein Tabak, und doch ging es ihm eigentlich
gar nicht um den Tabak, wie er mir erklärte. Es ging um das Prinzip. Jonathan hätte den
Tabak ohne mit der Wimper zu zucken verschenkt, wobei es ihm lieber gewesen wäre, jemand
hätte nur um eine Zigarette gebeten, anstatt den ganzen Tabak zu nehmen. Jonathan
weiß, dass alle Menschen in einem Boot sitzen, das Teilen wichtig ist, und nach
meiner Erfahrung hat er immer jedem gegeben, der gefragt hat, und oft auch ohne gefragt zu werden.
Doch, und hier war ich, meine lieben Freunde, auch ein bisschen überrascht, Jonathan konnte
sehr beharrlich, und ja, fast ein bisschen gnadenlos sein. Er ließ nicht locker. Er folgte
Bertram bis vor das Lokal in dem die Party stattfand. Er versuchte eine friedliche Lösung zu
finden. Sprach Bertram an. Es war einfach sein Tabak, seine Papers, und seine Filter. Er
brauchte sie an dem Abend noch, und er wusste sich einfach im Recht. Kein übergeordnetes
Recht, kein pauschales "So-ist-es-richtig". Jeder konnte um eine Zigarette bitten, und
Jonathan drehte an dem Abend noch viele Zigaretten, auch für mich. Aber nicht so... nein,
versicherte mir Jonathan, nicht so.
Jonathan blieb am Ball, er folgte Bertram, sprach mit ihm, machte durch Gesten klar, dass er
einfach seinen Tabak wiederhaben wollte. Irgendwann gab Bertram klein bei, wurde dabei zwar
ausfällig, beleidigend und trat hinter Jonathan her, aber der ließ sich davon nicht beirren,
nahm seinen Tabak, und kehrte zurück in das Lokal.
Jonathan machte sich seinen ganz eigenen - rational ein wenig merkwürdigen - Reim auf diese
von ihm erfahrene Geschichte, wie er mir gegen Ende der Party, als nur noch wenige Gäste da
waren, mitteilte. Er sagte, es gibt Gesetzmäßigkeiten im Universum, denen wir alle
unterliegen. Sie sind einfach, sie haben nichts mit den von Menschen gemachten Vorschriften
zu tun. Und wenn du sie kennst, dann ist dein Leben ein leichtes, denn in Wirklichkeit
kommen die Dinge zu dir.
Alles was du wirklich brauchst - nicht zwangsläufig das was du willst - wirst du bekommen.
Ohne Habgier und ohne Plan, sagte mir Jonathan, dem Leben ins Gesicht zu schauen,
und ihm offenen Herzens gegenüberzutreten, ist alles was nötig ist. Bitte einfach - herzlich
und authentisch - und du wirst bekommen, noch ehe dein Wunsch ausgesprochen ist.
So einfach kann leben sein, und da ich - von Erkenntnis berührt - Jonathans Lektion im
Herzen verstand, verneige ich mich im Geiste vor ihm und seiner so unauffälligen Größe. Ich
hoffe der eine oder andere unter euch nimmt etwas mit, von dieser sehr kurzen und
merkwürdigen Geschichte, denn ihre Essenz ist so wahr, meine Freunde, dass ihr selber
überrascht sein werdet, werdet ihr sie dereinst erkennen.
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