Kugelparade

Kugelparade - Seite 3

Unter Begriffen wie Schlüssel, Topf oder Ursache geht deshalb das Gerücht um, vordem, einmal hätte es nur die Hälfte von Kugeln gegeben, weil jede heutige Kugel nur eine Hälfte einer damaligen sei. Die Platokugel bietet deshalb eine allgemeine Bestimmung der Kugel an, eine für jederkugel: begegnen sich zwei Kugeln, deren Oberflächen sich anziehen, ohne sich wieder abzustoßen, so könnten sich zwei Hälften einer Großkugel nach Jahrmillionen wiedergefunden haben. Sie bleiben zusammen! Back to nature, um einen schlichten Begriff für eine schlichte Sache zu gebrauchen. Viel schöner, lieblich gar, klingt schon Wo gehen wir hin? Immer nach Hause. Wenn nicht, was bereits Irrtum ist, liegt ein Irrtum vor, nur was für einer? Es gibt Kugeln, die mit großen Lautsprechern gegen die Platokugel stimmen, worüber sich diese nur wundert, da ihre Spur Menschheit geworden ist, ohne Ohr, zu hören. Ohne Auge, zu sehen. Ohne Stirn, zu bieten. Ohne Wille, zu haben. …

wovon du nicht weißt, dass du es nicht weißt tröpfelt mir ein Vogelei ins Gewissen, doch über Freundschaft und Liebe reden will ich nicht. Leise Stimmen bezweifeln, dass Plato noch etwas von seiner Wirkung mitkugelt. Die lauten Stimmen aber gebärden sich wie Marktschreier und preisen Produkte wie Pluralismus, Indifferenz, Zwang, Erziehung, Kontrolle oder auch Promiskuität, die alle wie Stempelflüssigkeit ätzend in Raum und Zeit hängen, dass ihre Stimmstrahlen selten gesucht werden, doch oft gefunden.

Niemand weiß, ob jemand weiß, dass das folgende so ist. Fakt ist, dass Strahlen jede Schuld verspulen und wegspülen, wie das Wasser des Pilatus. Fakt ist, dass es Macht gibt und diese in nichts als Ausdehnung besteht. Also kann es gewollt sein, den Tod von Unschuldigen zu beklagen, auf dass niemand mehr sterben will und aus der Masse fließt die Macht. Mehr Kugeln zeitgleich und auf Dauer bedeuten mehr Volumen im Strahl bedeuten mehr neue Kugeln, die eingefangen werden können, bedeuten mehr Macht. Lärm ist wichtig. Lautstärke ist das, was auf Distanz Kugeln betäubt, so dass sie in die Quelle des Lärms hinein schwimmen. In Strahlflüßen. Ein Buch von 2020, wäre sein Jünger Jahrgang 1995. Ein Beispiel für Sinnfreiheit. Ein Beispiel für einen sinnvollen Freiheitsbegriff. Wer selbst reinschwimmt ist selbst schuld. Ach wäre er es nur, wäre er nur schuldig, aber nicht einmal das sieht, wer den Strahl nicht fühlt. Schuld erfüllt den Zweck, Sterben als Erlösung zu gestalten, als etwas, das gerade in seiner Notwendigkeit bejaht werden kann. Gerechtigkeit trifft nur den Schuldigen. Wie aber von Schuld reden, ohne Freiheit? Wie von Freiheit reden, zu und von, ohne Steuerung?

In allen Fällen von Macht ist es falsch, von Begegnung zu sprechen, da eine Begegnung immer gewollt ist, sonst ist es etwas anderes, keine Begegnung. Damit eine Kugel einer anderen Kugel begegnen wollen kann, benötigt sie einen Begriff von Sinn, der da heißt Geschichte. Ewigkeit ist unbegreifbarer Sinn. Will man etwas greifen, braucht man Zeit und durch die Zeit die Ewigkeit. Wie Tauben gibt es meine Ohren frei. Zeit heißt Frist. Wer christlich zu denken glaubt und dies ohne Frist zu denken glaubt, ist schwachsinnig. Und was ist Schwachsinn anderes als sinnlos? Tod ist Sinn, bloßes Leben ist Unsinn. Die Platokugel ist teil eines Dunstschweifes. Dunst ist Strahl, Schweif ist Strahl. Die Körper in diesem Strahl nennen wir Philosophenkugeln. Im Strahl ist alles heilig, auch und nicht zuletzt das nackte Leben. Wille findet man nur in den unklaren Bestimmungen der Grenzregionen eines Lichtstrahls. Man mache diese Farben so satt als man will, immer werden die Bildersäume sich nach wie vor verhalten, vorausgesetzt, daß die Bilder an Helligkeit oder Dunkelheit vom farbigen Grunde genugsam abstechen. Wir hörten so eben den Stern der Fürstenkugeln. Ohne Kontrast keine Macht. Nur Kontrast keine Freiheit. Ohne Kontrast nur Freiheit.

Das haben diejenigen vergessen, die versuchen das Phänomen zu begreifen und zu gebrauchen, die die Umstände verändern oder gar verbessern wollen, die Titelkämpfen den Titel mit dem Kampftitel alles außer mir bloß spekulative Titelkämpfe entreißen wollen, an sich reißen, die im besten Fall zum Ausdruck bringen, dass sie nicht sicher sind, ob die andere Kugel die richtige Hälfte der eigenen Ganzheit ist oder sie es nicht sein kann oder sein will oder was eigentlich das Problem ist? Diese Frage, der letzte Teil, berührt immerhin schon den unnennbaren Kugelstock der Weisheit. Sie gebrauchen dazu blumig schwermütige Begriffe, wie Kleisterkugeln, an denen Fliegen verenden. Ach, es muß leer und öde und traurig sein, später zu sterben, als das Herz. Manche halten Zweifel für Steuerungsschwäche. Zweifel und Verzweiflung gehören zusammen, nur setzt die Vorsilbe eine dialektische Bewegung voraus: nur der Zweifel, der berechtigt ist, übersteht jede Widerlegung, nur er darf in Verzweiflung münden, niemals der Zweifel der anderen in eigene Verzweiflung. Vorausgesetzt, die Begriffe sollen Sinn machen, nicht Macht, dürfen sie niemals von sich auf andere oder von anderen auf mich bezogen werden, ohne dass die Bewegung ihren Kreis schließt. Die Verzweiflung muss bezweifelt und wieder aufgehoben werden, damit sie Verzweiflung bleibt und nicht als gelassene Maske jeden Untergang verdeckt. Nur, wir schreiben hier Gott sei Dank keine Geschichte einer Kugel, die anfängt sich auf ihr nicht-existentes Menschsein zu berufen.

Irgendwann, wenn sie nur lange genug schwebt, realisiert die Kugel, dass Kompetenz fehlt und Verwirrung besteht: hoppla, die sind ja alle verzaubert. Das aber ist erst die Antithese, nur die Hälfte der traurigen Ritterkugel. Zur Synthese, der ganzen Kugel, ist es sehr weit oder nur ein Rutscher, je nach dem, wo man steht, wer man ist, was man will. Wer begreift, schweigt. „Wer sich gegenüber seiner anderen Hälfte ungehörig zu verhalten glaubt, wenn sein Verlangen nach ihr zu stark ist, der soll tun, wozu es ihn drängt, wenn es so sein muß; er sündigt nicht; sie sollen heiraten. Wer aber in seinem Herzen festbleibt, weil er sich in der Gewalt hat und seinem Trieb nicht ausgeliefert ist, wer also in seinem Herzen entschlossen ist, seine andere Hälfte unberührt zu lassen, der handelt richtig.“ Soweit so gut, Was folgt ist etwas verklärt, gehört nicht hierher, denn die These ist es, die man suchen muss, These und Antithese, nicht Synthese. Diese ergibt sich. Trauriger Ritter begegnet selbstbewusstem Bauer. Die Vollendung einer Begegnung sind Liebe als Liebe und Freundschaft oder als Freundschaft allein. Solange eine Begegnung endlich bleibt, ist sie nicht ewig. Genau genommen bezeichnet Begegnung nur das Aufeinandertreffen zweier Kugeln: bleiben sie länger beieinander, befinden sie sich im Stadium der Verliebtheit. Erst die ewige Verschmelzung, die wir als Ehe bezeichnen können, weil es unsinnig ist, Dreck, der an Ehe haftet, ernst zu nehmen, ist Liebe zu nennen. In der Liebe gibt es weder Zweifel noch Missverständnis, da für beides die Grundlage der Endlichkeit abhanden gekommen ist. Es gibt nur Werte, ohne Preis, und preislose Wertung. Lassen zwei Kugeln voneinander, verlieren sie ihr Verständnis. Nur, wenn die Trennung notwendig ist, kann das Verständnis bewahrt werden. Man bilde sich jedoch nicht ein, Plato hätte recht gehabt. Schon eher die Ritter: Eine Begegnung zwischen Mannkugel und Fraukugel und schon lieben sie sich. Wenn sie nur wollen. Wenn sie nur Sinn machen. Fragen, die ein Ritter nicht einmal verstehen würde.

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