Kugelparade

Kugelparade - Seite 4

Dort hinten zeigt sich uns gerade ein weiteres Phänomen, so klar, so schön, dass ich nicht darum herum komme, es kurz zu benennen. In dieser Konstellation überstrahlt der Ikarusnebel ganze Würfe von Kugeln. Ursprünglich nur einer, dann alle. Alle wollen und alle sollen, aber wenn nicht alle können? DANN SOLLEN ALLE GOTT VERDAMMT NOCHMAL nur DAS TUN, WAS ALLE TUN KÖNNEN UND WOLLEN UND SOLLEN: DAS GLEICHE. Kugeln streben in die Strahler hinein, um als gefallene Engel auf weiteres zu verzichten. Wenn sie denn fallen gelassen werden. Es ist demonstrandum esse immer im Interesse des Strahls, keine Masse zu verlieren. Manche Strahlen bestehen aus Stimmen, andere aus Tönen: aus Kugeln und aus Kugelbewegungen. Alle sind sie farbig. Dieser Nebel ist deshalb nicht in Raum und Zeit, sondern in der Ewigkeit und sein momentan gleissender Schein weckt viele in ihrem Sterben, so dass eine Kugel aus schierer Bewegungslosigkeit in plötzliche Pirouetten, Spirenzien oder Spasmen ausbrechen kann, aber nur bis zur Erschöpfung, dann braucht sie wieder Ruhe. In der Ruhe liegt die Kraft. Erschöpfung verhält sich zu Erlösung, wie Streben zu Sein oder Halbwissen zu Wahrheit. Es fehlt etwas. Der Sinn: Kind, Kind! nicht weiter! Wie von unsichtbaren Geistern gepeitscht, gehen die Sonnenpferde der Zeit mit unsers Schicksals leichtem Wagen durch, und uns bleibt nichts, als muthig gefaßt, die Zügel fest zu halten und bald rechts, bald links, vom Steine her, vom Sturze da, die Räder abzulenken. Wohin es geht, wer weiß es? Erinnert er sich doch kaum, woher er kam! Der ewige Ikarus zu unseren Füßen oder auch da, oben, überall: wenn ihr genau hinseht, seht ihr nichts mehr. Denn was nicht in Raum und Zeit ist, kennt keine Stufen, keine Grade, kein genau.

Im Bannkreis der Schönheit und Stimmkreis der Reden ist die Zahl der Kugeln Legion. Viele halten andere in den Ärmchen, klammern, hakeln, sichern, kämpfen und werden umkämpft und bekämpft, ein großes Gelächter, Komödie sagt man dazu. Macht lacht nicht, Macht klagt. incipit tragoedia. Aus dem Meer klingen Laute nicht von dieser Welt, gute wie böse, gute wie schlechte, alles zusammen: das Meer der Liebe, nur ist das nicht die Liebe, die der Platokugel passen könnte, würde sie ihr begegnen: wir verzichten deshalb darauf, solche Phänomene mit Liebe zu betiteln, auch wenn wir das niemandem sagen: wir nutzen die Titel ohne an das zu glauben, was wir sagen: Titel eben. Ein Titel weist auf etwas hin, dessen Gegenteil er bezeichnet. Ein Titel ist keine vernünftige Begriffskugel und somit zwangsläufig jedem verständig, geständig und hörig – wer will greife zu. Titel ist deshalb keine vernünftige Begriffskugel, weil Titel Kugeln nicht begegnen können, auch wenn es so aussieht: reine Oberflächenbewegung ohne Wirkung. Über Liebe sprechen machte gar keinen Sinn. So ist es auch mit der Schönheit. Über Schönheit sprechen machte gar keinen Sinn. Jede Begriffskugel, die nur dazu dient, andere zu klassieren, gehört hierher. Vernünftige Begriffe versuchen nicht auf andere Kugeln zu wirken, es sei denn es gibt eine Begegnungskugel: (1 x 3) x (3 x 1) = (3 x 3) = (1 x 9) + 1 = 1. Das mehr wieder, wie immer. Begegnungskugel ist deshalb ein starkes Wort. Man setze es nicht leichtfertig ein, da man es sonst beschmutzt und verliert. Eine Begegnungskugel reichte völlig, um jede Kugel zur Gottkugel zu führen, doch da es nie bei einer bleibt, kann die Kugel an sich mit Recht als sündig verstanden werden: so zeigt sie sich, ob sie es auch für sich ist, oder nicht. Beides ist wahr: doch nur als Einheit, als Zwei, als Beides ist es wahr. An und für sich ist nur das Triumvirat aus Geist, Materie und Ewigkeit, sowie alles, was in ihm ist.

Zum Schluß noch ein praktischer Ratschlag: wenn man plus und minus versteuert, sollte man immer das Gegenteil von dem anschlittern, was man begehrt.

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