Die Legende von Prinz Waldemar

Prinz Waldemar

Liebe Freunde, das nun Folgende ist die Legende von Prinz Waldemar. Ich hörte sie einst im fernen Andamelaton, in einer heute schon vergessenen Sprache. Die Übersetzung ist daher ein wenig holprig, denn Andamelatonisch kennt keine Schrift, und somit ist das Übertragen in unsere Sprache und Schrift eine echte Herausforderung gewesen. Ich hoffe die Legende ist trotzdem irgendwie verständlich, und bitte um Nachsicht sollte mir der eine oder andere Transformationsfehler unterlaufen sein.

Prinz Waldemar war einmal wieder auf einer seiner Reisen durch die weiten des Universums. Er hatte sich nach Sitte und Anstand von seinen königlichen Eltern verabschiedet, und war von seinem heimatlichen Planeten aufgebrochen. Ein Reiseziel in diesem Sinne hatte er nicht. Er war einfach nur so unterwegs, so eine Art Forschungsreise, er wollte neue Welten entdecken, neue Kulturen finden, um mehr über das große und sich ausbreitende Universum herauszufinden. Auf seinem heimatlichen Planeten hatte bereits vor vielen hundert Jahren ein Team von Forschern eine hoch interessante Methode des Reisens entwickelt. Es handelt sich dabei um eine sehr meditative Form des Reisens mit Hilfe der eigenen Gedanken. Basierend auf einer Beschleunigung der Eigenschwingung erzeugt man einen Kreisel um seinen Körper, der dann als Raumschiff funktioniert.
Kurz nach seinem Aufbruch rauschte Prinz Waldemar an einem kleinen blauen Planeten vorbei. Dieser Planet war ihm aus früheren Reisen schon bekannt, er war aber immer an ihm vorbeigeflogen, denn er wollte in die Weiten hinaus, er wollte Grenzen ausloten. Doch heute berührte Waldemar der liebliche Anblick dieses Kleinods, und er beschloss kurzfristig einen kleinen Zwischenstopp einzulegen, um einmal herauszufinden, ob denn dieser Planet mit intelligentem Leben ausgestattet sei, ob eine Kultur oder ähnliches vorzufinden sei.
In einem kurzen Rundflug durch die Umlaufbahn nahm er schnell wahr, dass durchaus viele Wesen sich auf diesem Planeten tummelten, und er beschloss eine Landung vorzunehmen, um sich das alles mal aus der Nähe anzusehen. Die Schwingung auf dem Planeten war so niedrig, dass Waldemar feststellte, dass er für alle Lebewesen vollkommen unsichtbar blieb, selbst wenn er sein Raumschiff verschwinden ließ und somit seine eigene Schwingung sich enorm verlangsamte, nahm niemand von ihm Notiz. Lediglich einige Tiere konnten ihn erkennen, waren aber nicht in der Lage, dies zu kommunizieren.
Während Waldemar über den Planeten wanderte fielen ihm einige Dinge auf, die er anfing in sein Tagebuch zu notieren. Es waren fiele Merkwürdigkeiten, die da im Laufe seines Aufenthaltes zusammenkamen, doch am aller seltsamsten war das Bewusstsein der meisten Individuen der vorherrschenden und dominierenden Rasse, die sich selber als Menschen bezeichnete. Sie schienen auf eine hoch subtile Art und Weise manipuliert und fremdgesteuert, ähnlich einer sehr tiefen Hypnose. Denn anstatt die Schönheit ihres eigenen Planeten zu erkennen, und ihren zeitlich stark beschränkten und überaus endlichen Aufenthalt zumindest ein bisschen zu genießen, waren sie die ganze Zeit im Stress. Sie rannten von A nach B, und wieder zurück, hatten meistens Angst und Sorgen wegen dies und jenem, und das tragischer Weise meist vollkommen unbegründet. Sie machten sich am laufenden Band Vorwürfe, stritten sich und gaben sich gegenseitig die Schuld, wegen der unbedeutendsten Dinge. Doch am aller schlimmsten war, dass die meisten dachten, dass es nicht genug für alle geben würde, und so waren sie in einem dummen und vollkommen überflüssigem Konkurrenzkampf verstrickt, der hauptsächlich deswegen existierte, weil die meisten Individuen dieser Rasse glaubten, dass es so sein müsste.
Prinz Waldemars Beobachtungen zu Folge war das äußerst seltsame Verhalten der meisten Individuen durchaus begründet, denn wie er feststellte, gab es da eine Art Tauschmittel - sie nannten es Geld, dass von fast allen Individuen dieser Rasse genutzt wurde. Dieses Tauschmittel wurde auf äußerst raffinierte Art sehr knapp gehalten. Und weil dieses Tauschmittel einerseits ein essenzieller und wichtiger Bestandteil des Handelns und Tauschens auf dem Planeten war, es andererseits aber immer knapp war, waren die Individuen dieser doch recht dümmlichen Rasse in einem permanenten, sehr stresserzeugenden Konkurrenzkampf verwickelt, obwohl die Ressourcen des Planeten Überfluss garantiert hätten und in Kombination mit dem Stand der technischen Entwicklung, alle ein recht entspanntes und lockeres Leben hätten führen können.
Was Prinz Waldemar auch sehr wunderte, war, dass diese Individuen ein Bildungssystem installiert hatten, dass wie eine Propaganda-Maschine die neuankommenden Individuen dieser Rasse, sofort in dieses System des Mangeldenkens hineinmanövrierte. Neue Ideen und Gedanken wurden somit nicht zugelassen, denn erst wenn sie über viele Jahre hinweg die kriegserzeugenden, vorherrschenden Praktiken erlernt hatten, wurden sie überhaupt angehört. Bis dahin, und das ist das teuflische an dem ganzen Plan, waren die Neuankömmlinge meist so manipuliert, dass sie robotergleich mitmachten, und eine Veränderung hin zum Positiven, die Chance auf Verbesserung, war so gut wie unmöglich.
Waldemar machte das sehr traurig. Denn viele Individuen der Rasse - die wahren Menschen - litten sehr stark unter diesem künstlich hervorgerufenem Krieg, und gerade diese waren natürlich die liebenswürdigsten unter dieser verblendeten Rasse. Prinz Waldemar wusste aber auch, dass die universellen Regeln und Vorgaben seines Heimatplaneten ihm verbaten in irgendeiner Weise in die Entwicklung des Planeten einzugreifen. Zu vielschichtig sind meist Probleme, Herausforderungen, Ursache und Wirkung ineinander verflochten, und in gewisser Weise, war es ja nun wirklich nicht seine Angelegenheit, als ein kurzfristiger Besucher dieses Planeten.
Doch Prinz Waldemar konnte nicht umhin, die teils umfassenden Aufzeichnungen in seinem Tagebuch an einem versteckten Ort auf dem kleinen blauen Planeten zurückzulassen, auf dass sie irgendwann, von irgendeinem Individuum gefunden werden mögen, das dann - so der Alte der Tage es für richtig hält - mit Hilfe der Erkenntnisse des Prinz Waldemar in der Lage ist die nötigen Impulse und Schritte einzuleiten, um den kleinen blauen Planeten in glücklichere Zeiten zu führen.

Abschließende Anmerkungen:
Mir ist nicht bekannt, dass die Schriften von Prinz Waldemar bereits aufgefunden wurden. Wie die Andamelatoner mir einst erklärten scheint sie in höherer Schwingungsform vorzuliegen, und wurde - wie sie mir versicherten - irgendwie ins Magnetfeld der Erde eingewoben. Angeblich kann jeder Mensch mit seinem Herz und seiner Intuition auf sie zugreifen.
Ich bin mir nicht sicher, ob ich das richtig verstanden habe, denn bei den Andamelatonern ist es Sitte, Gäste gut zu bewirten, sodass ich zu diesem Zeitpunkt in der Nacht der Erzählung der Legende schon etwas berauscht war, und mit der sehr komplexen andamelatonischen Sprache ein wenig Verständnisprobleme hatte.

Zurück zum Verzeichnis der Texte

*~*~*

Bookmark and Share

Impressum
Disclaimer
Werbung:
Link zum Verlinken: http://www.tigerthilo.de/texte/waldemar.html